Israel Blog

2010 September 3
by admin

Vom Titel sollte man sich nicht abschrecken (oder in die Irre führen) lassen: Dieses ist weder ein kuchenbäckerischer noch ein erotischer Blog (wofür diese großartige URL allerdings ursprünglich gedacht war) sondern ein wunderbar aus dem Bauch heraus geschriebener Epilog über das Leben eines Zuwanderers in Israel. Genauer gesagt: In Tel Aviv. Angefüllt mit Beobachtungen aus dem nicht ganz so heiligen Land von „Jemanden [...], der mit sich mit 36 Jahren dazu entschließt nach Israel auszuwandern und die Welt hier voller Emotionen verfolgt. Erstaunen, Wut, Liebe, Hingabe und Liebe sind wohl die Kerngefühle.“ Eine interessante Perspektive: Lauter Artikel die sich mit dem Leben eines Deutschen in Israel beschäftigen, und dabei eine ausgewogene Balance schaffen aus touristischen Insidertipps (z.B. Tauchen mit Delfinen), Einblicke ins Partyleben (Techno in Tel Aviv), kultursoziologischen Grübeleien (zur deutschen-israelischen Wurstproduktion in der zweiten Generation), und handfesten Alltags- und Arbeitserfahrungen.

An Kategorien der Israel Blog dem Leser die schönen Überschriften: Arbeiten in Israel; Ausgehen Tel Aviv; Frauen in Tel Aviv; Hebräische Eigenheiten; Leben in Tel Aviv; Lustiges aus Israel; Persönliches; Soziologie Israel – und tatsächlich, genauso umfassend und ekklektisch gut sind auch die Beiträge, wenn man von der etwas schludrigen Grammatik und dem gelegentlichen Wort verschlucken mal Abstand nimmt. Das Ganze ist ein lustiger Mix aus völlig privaten Geschichten bis zu Konversationsprotokollen mit dem Chef, die aus absolut jedem Land der Welt stammen könnten (was wieder einmal die Macht der Globalisierung vor Augen führt) und absolut landestypischen Anekdoten auf der anderen, die aber auch wirklich nur in Israel passieren können. Journalistisch hervorzuheben sind die Passagen, in denen von persönlichen Erlebnisses beispielsweise des Beischlafes und der dabei entstehenden, kulturimmanenten Geräusche auf allgemeingültige Urteile zur israelischen (weiblichen) Mentalität in ihrer Gänze geschlossen wird: Pop-Anthropologie vom Feinsten.

Was insgesamt bei dem Blog gefällt, ist die heitere Gelassenheit und milde Ironie, mit der die eigenen Schwächen, aber auch die notwendigen Absurditäten des Lebens in Israel lakonisch zerpflückt werden. Deutlicher geht es beim ewigen Thema des israelisch-palästinensischen Konfliktes zu, dem hier einige Posts gewidmet sind. Hier wird die Schreibe polemischer und deutlich politisierter. Allerdings: Auch wenn die Argumente nicht ganz ausgewogen sind, sie zeugen doch von scharfen Beobachtungen von jemand, der sich intensiv mit diesem Land beschäftigt, in dem er freiwillig lebt und keine Angst vor einer eigenen, kontroversen Meinung hat. Und das kann man wirklich über den ganzen Blog sagen. Definitiv lesenswert für jeden Israel-interessierten!

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